Eine Abschiedsfeier für Stadtbrandmeister Manfred Haag sollte es noch nicht sein, dennoch lag etwas Wehmut gestern Abend bei der Hauptversammlung in der Luft: Nach 15 Jahren an der Spitze der Gmünder Freiwilligen Feuerwehr geht der Kommandant Ende April in Ruhestand. Sein letzter Jahresbericht war noch einmal beredtes Zeugnis einer schlagkräftigen, aktiven und intakten Wehr.
„Verantwortung übernehmen und sich gegenseitig helfen, das sind keine antiquierten Tugenden, das ist entscheidend für das Ehrenamt.“ Über einen Jahresbericht hinaus ging das Bild, das Haag in der rappelvollen Gemeindehalle von der aktiven Feuerwehr entwarf. Die Bereitschaft, sich ständig weiter zu bilden gepaart mit einem aufopferungsvollen Dienst, stellte er als Basis einer guten Arbeit vor. Doch auch die Pflege der Kameradschaft dürfe nicht zu kurz kommen. Der Schatten der Finanzkrise gehe allerdings nicht unbemerkt an den Gmündern vorbei: „Viele haben Angst um ihre Existenz und ihren Arbeitsplatz. Sie müssen sich überlegen, ob sie bei einem Alarm ihren Arbeitsplatz noch verlassen können.“
Dass die Gmünder Wehr gut aufgestellt ist, machte sein Jahresbericht deutlich: 452 Männer und Frauen engagieren sich in den 12 Abteilungen der Gesamtfeuerwehr. Dazu kommen 184 Kameraden in den Altersabteilungen und 112 Angehörige der Jugendfeuerwehr. Von Überalterung keine Spur: Bei den aktiven Feuerwehrmännern und -frauen und bei den Jugendlichen konnten die Mitgliederzahlen in den vergangenen Jahren annähernd gehalten werden.
Steffen Pflieger, Michael Schleicher, Marion Sorg, Benedikt, Manuel und Marco Stegmaier, Dominik Schimmele, Patrick Grupp, Moritz Merz und Steffen Bausch wurden in die aktive Abteilung übernommen. Vom Löschmeister zum Brandmeister wurde Mathias Weiß, zum Oberbrandmeister Uwe Kölz und Ralf Irdenkauf und zum Gruppenführer Ludwig Fuchs, Martin Schonter, Christoph Schmid und Daniel Kupfer befördert. Nach 41-jähriger Dienstzeit wurden die Oberbrandmeister Ulrich Weber und nach 35-jähriger Franz Schmid verabschiedet.
Auch Neuwahlen standen gestern Abend an: Zwei Stellvertreter des zukünftigen Stadtbrandmeisters Bernd Straile wird es künftig geben: Ralf Schamberger und Günther Elser.. Der künftige Abteilungskommandant Innenstadt ist Wolfgang Munk.
382 Mal musste die Feuerwehr im letzten Jahr ausrücken, im Vorjahr waren es lediglich zwei Einsätze mehr. Großbrände konnten in der Regel durch schnelles und beherztes Eingreifen verhindert werden. Zweimal sei es dennoch zu einem solchen gekommen. 123 Mal waren technische Hilfeleistungen gefordert, etwa bei Verkehrsunfällen das Befreien von eingeklemmten Personen aus ihren Fahrzeugen; hier sei die Zahl leicht rückläufig, so Haag. An zweiter Stelle stehen Kleinbrände und an dritter Drehleitereinsätze. Die Zahl der vorsätzlichen Brandlegungen schätzt er als relativ hoch ein. Einige Einsätze rief Haag in Erinnerung, etwa den Brand im Unipark am 10. Januar, bei dem sich die Wehr mit hydraulischem Rettungsgerät Zugang in das verschlossene Theater verschaffen musste. Bei einer Rauchgasdurchzündung sei es damals zu bis zu 20 Meter hohen Stichflammen gekommen. Der Gebäudeschaden war indessen gering, weil es abgerissen werden sollte. Auch der Brand eines Traktors beim Gmünder Feld am 10. Juli hätte ins Auge gehen können, weil ein angrenzender, vier Hektar großer Strohacker Feuer fing und das Feuer sich in Richtung Wohngebiet ausbreitete. Auslaufendes Öl oder anderes Gefahrengut beschäftigte die Abteilung ebenfalls bei mehreren Einsätzen. Doch das meiste sei Alltagsarbeit und geschehe ganz unspektakulär wie etwa die Wartung der Ausrüstung. Besonders dankbar zeigte sich der Kommandant aber, „dass wir stets heil und gesund von unseren Einsätzen zurückgekehrt sind“.
An diese Dankesworte knüpften Oberbürgermeister Wolfgang Leidig und Landtagsabgeordneter Dr. Stefan Scheffold an. „Die Gmünder Wehren arbeiten hervorragend zusammen, ohne sie würde unser Rettungswesen nicht funktionieren“, sprach Leidig offen an, dass dies ein Ehrenamt ist, auf das die Gesellschaft angewiesen ist. Mit Haag gehe eine Ära zu Ende, würdigte der OB auch an diesem Abend schon die Vita des in eineinhalb Monaten scheidenden Kommandanten. Weitere Grußworte sprachen Kreisbrandmeister Otto Feil und Ortsvorsteherin Anne Zeller-Klein.
Quelle: Gmünder Tagespost vom 14.03.2009